Frankfurt Innen/Aussen
In 5.1-Surround
Musik & Realisation: Andreas Horchler
Redaktion und Dramaturgie: Manfred Heß
Technik: Rainer Schwarz

hr 2009 / ca. 50 Min / Ursendung
Aufnahmen in der 5.1 Surround-Technik lassen den Hörer das akustische Ereignis räumlich erfahren. Hörstücke, die die klassische Guckkastensituation des Rezipienten z.B. beim Konzert oder Theaterbesuch verlassen, Hörspiele also, die konzeptionell mit dem künstlich-künstlerischen Raum von Sounds, Geräuschen und Textversatzstücken arbeiten, eignen sich bestens, die Möglichkeiten dieser Technik dem Hörer erfahrbar zu machen. Andreas Horchler, Musikproduzent wie zugleich Radiomacher zwischen Journalismus und O-Ton- Feature, hat die Bezirke der Stadt Frankfurt am Main 2008/2009 mit dem Mikrofon erkundet. Er führt in die inneren (psychischen) wie äußeren (realistischen) Räume dieser besonders öffentlichen
und außergewöhnlich privaten Stadt, indem er seine Spurensuche über begleitende Musiken, die ausschließlich aus den Geräuschen gewonnen wurden, in eine realistisch-unrealistische Stadterfahrung überführt. Die 5.1 Technik wird so zur rauschhaften Erfahrung eines mehrdimensionalen Kosmos.
Aus: Hessischer Rundfunk Hörspielbroschüre 1/2009
Frankfurter Neue Presse vom 13.03.2009, Seite 17
Augen zu, Ohren auf: So klingt Frankfurt Innenstadt. Bei vielen hat Frankfurt keinen
guten Ruf. Auch Andreas Horchler,Radiomoderator beim Hessischen Rundfunk,
mochte die Stadt nicht, als er vor 20 Jahren an den Main zog. Das hat sich geändert. Mit dem experimentellen Hörspiel "Frankfurt innen-außen" produzierte er nun "eine klangkünstlerische Liebeserklärung an die Mainmetropole". "Ich wollte den Hörern ein Frankfurt
zeigen, wie sie es noch nie gehört haben", sagt Horchler. hr 2-kultur sendet
das Hörspiel erstmals am Samstag, 14. März, um 23.05 Uhr in "The Artist"s Corner". Andreas Horchler hat für sein Hörspiel "Frankfurt innen-außen" in der ganzen Stadt Stimmen und Geräusche eingefangen: das Quietschen der U-Bahn zwischen Konstabler- und Hauptwache beispielsweise, das an einer Stelle klingt, als würde gleich der Zug entgleisen. Das inernationale Stimmengewirr auf der Buchmesse. Das Grölen der Schlachtenbummler in der Commerzbank- Arena. Blätterrascheln im Stadtwald und dröhnend startende Flugzeuge. "Mit einem speziellen Samplingverfahren habe ich alle Klänge wie auf einer Klavier-Tastatur in kleine Versatzstücke zerlegt, so dass ich mit ihnen komponieren konnte", erläutert Andreas Horchler und ergänzt: "Frankfurt ist eine sehr schnelle, öffentliche und zugleich sehr private Stadt. Es gibt die Konstablerwache, die Zeil, das Bankenviertel, soziale Brennpunkte. Gleichzeitig funktionieren viele Stadtteile noch heute wie intakte Dörfer, und man kann wunderbar privat bleiben. Diese Gegensätze wollte ich einfangen." Mit dem Satellitenradio ist das Hörspiel in 5.1-Surround-Klang zu empfangen. Über UKW ist eine Stereo-Version zu hören. got
Quelle Frankfurter Rundschau vom 11.03.2009,
Ressort Leute
Andreas Horchler hört Frankfurt zu Der Mensch guckt nicht nur, schnuppert oder schmeckt - er hört auch. Andreas Horchler lässt ihn gar eine ganze Stadt hören: Frankfurt am Main. Der Radiomacher des Hessischen Rundfunks hat für sein experimentelles Hörspiel "Frankfurt
innen-außen" eine "klangkünstlerische Liebeserklärung an die Mainmetropole" zusammengestellt - mit Geräuschen aus der UBahn, von der Buchmesse, Schlachtenbummler aus dem Stadion, aber auch Blätterrascheln im Stadtwald samt dröhnenden Flugzeugen; das geht im Stadtwald gar nicht anders. Horchler hat die
einzelnen Geräusche in kleine Versatzstücke zerlegt und versucht, akustisch
den in Frankfurt gegebenen Gegensatz von lärmender Großstadt und privater
Dorfidylle darzustellen. Ob das geglückt ist, können Hörer am Samstag, 14. März, von
23.05 Uhr an in HR 2 "The Artist's Corner" überprüfen. Mit Satellitenradio ist das
Hörspiel in 5.1-Surround-Klang zu empfangen, über UKW eine Stereo- Version. ave
Deutschlandfunk
Frankfurt innen - außen
Hörspiel des Monats
Von Andreas Horchler
"Wie klingt Frankfurt? Der Frankfurter Hörfunkjournalist und Musiker Andreas Horchler hat den Versuch eines Klangporträts dieser widersprüchlichen und vielgestaltigen Stadt gewagt. Kindergeschrei, Martinshörner und Straßenlärm hat er gesampelt mit elektronischen Klängen, Durchsagen aus der Frankfurter U-Bahn, Fan-Gesängen im Stadion und O-Tönen berühmter Frankfurter wie von Oberbürgermeisterin Petra Roth oder Marcel Reich-Ranicki.
Entstanden ist die einzigartige Symphonie einer Großstadt, deren Bewohner aus ihrer manchmal nicht einfachen Beziehung zu der Stadt keinen Hehl machen: "Ich hab Frankfurt so gern, wie man einen sehr hässlichen Hund gern hat", sagt eine Frau. Möglicherweise trägt Horchlers Sound-Porträt in seiner Vielgestaltigkeit dazu bei, einen Wunsch der Oberbürgermeisterin zu erfüllen, den der Autor ebenfalls verarbeitet hat: 'Legen Sie vielleicht auch ein bisschen die Animosität vor dem Namen Frankfurt ab'." (Die Begründung der Jury)
http://www.dradio.de/dlf/programmtipp/hoerspiel/946009/
"Eine einzigartige Sinfonie einer Großstadt" - so urteilte die Jury über "Frankfurt innen-außen" von Andreas Horchler. Die Geräuschwelt der Mainmetropole in 5.1. Surround Technik ist das Hörspiel des Monats März. [hr]
http://www.ard.de/radio/hoerspiel-lesung/-/id=7968/1ci3uu7/index.html
Mit Toningenieur Rainer Schwarz im Studio
Sherlock Holmes- die unautorisierte Biographie
Autor: Nick Rennison.
Hörfassung, Musik, Regie: Andreas Horchler
Hessischer Rundfunk, Patmos 2007
"Wenn Conan Doyle wieder einmal der Phantasie nachhing, Holmes sei bloß eine von ihm erfundene literarische Figur, behauptete er, dass ihn der Name eines in den 1870er und 1880er Jahren bekannten Cricketspielers zu dieser Benennung inspiriert habe. Die Wahrheit ist jedoch wesentlich prosaischer: Wie Mycroft war Sherlock eigentlich ein Nachname. Ein Uronkel mütterlicherseits — er war im 18. Jahrhundert als Rechtsanwalt in Pickering tätig — hieß Joseph Sherlock, und schon über die letzten beiden Generationen hin hatten mehrere Kinder der Familie seinen Namen getragen."
Eine harte Nuss! Wieder einmal. Nach "Molwanien" und "Phaic Tan" nun "Sherlock Holmes". DIe Ilusion einer Biographie. Der Lebenslauf einer fiktiven Person. Klanglich so gestaltet, das sie authentisch klingt. Die richtigen Schauspieler erst einmal. Ein "very british" Bodo Primus, ein immer nörgelnder, immer von sich selbst eingenommener Walter Renneisen als Holmes, ein zweifelnder Bohème Volker RIsch als Watson. Die richtigen Sounds, wenn Moriarty, Sherlock Holmes´großer Widersacher, den Reichenbachfall in der Schweiz hinabstürzt. Dann aber auch die passende Musik. Wir wissen nur, das Sherlock Holmes die Violine spielte, das Instrument auf den Knien liegend. Wie klingt das? Ein Geigenthema für Sherlock also, Holzbläser als Kontrast für Watson, bedrohliche Streicher als Leitthema für Moriarty und tiefe, treibende Kontrabässe, die Jack the Ripper einführen. Viktorianisch, ja, aber fiktiv viktorianisch!
Erzähler: Bodo Primus
Holmes: Walter Renneisen
Watson: Volker Risch
Zitatorin: Monika Hessenberg
Zitatoren: Heinrich Giskes und Roland Heinemann
Bodo Primus im Hörspielstudio
Walter "Sherlock" Renneisen
Volker "Watson" Risch
Holger Mees, Herr der Regler und Kanäle
Regie
Schaltzentrale
Das Fairlight, technisches Maß der Dinge in der Hörspielproduktion
Mischen
Hessen erinnern Sommer 2006

Hessen erinnern - Stimmen aus sechs Jahrzehnten
Spektakuläre hr2–Feature-Reihe startet am 23. Juli in hr2
Mit einer einzigartigen Stimmen-Collage dokumentiert hr2-kultur 60 bewegte Jahre Hessens. Aus den Erinnerungen vieler Prominenter und Nicht-Prominenter haben die Autoren Karin Köbernick, Gabi Schwall und Andreas Horchler eine höchst ungewöhnliche und unterhaltsame „History-Dokumentation“ geschaffen: Das Kulturradio des Hessischen Rundfunks (hr) sendet die Feature-Reihe unter dem Titel „Hessen erinnern“ vom 23. Juli bis 27. August jeweils sonntags von 18.05 bis 19 Uhr im Rahmen des hr2-Radio-Kultursommers. Die Sendereihe wird außerdem im Herbst 2006 als CD bei hr-audio erscheinen.
Die Reise beginnt im September 1945, als die US-Militärregierung das Land „Groß-Hessen“ proklamiert. Bankier Friedrich von Metzler erzählt von Bankschaltern in Baracken, Professor Hilmar Hoffmann, ehemaliger Frankfurter Kulturdezernent, steuert Geschichten über Skandaltheater bei. Hans Eichel nimmt uns mit auf seine persönliche Reise von Kassel nach Berlin und wieder zurück. Zu Wort kommen neben vielen anderen Prominenten aber auch unbekannte hessische Bürger, die vom Schwarzmarkt der Nachkriegsjahre, von Protesten gegen die Startbahn erzählen oder davon, wie sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts um Arbeit bangen.
Die Sendungen im Überblick:
23. Juli: Teil 1: 1946 bis 1956
Trümmer und Neubeginn - das Land Hessen entsteht
30. Juli: Teil2: 1956-1966
Zwischen Brauchtum und Wirtschaftsmacht - Aufschwung a la Hessen
6. August: Teil 3: 1966-1976
Straßenkampf und Spekulanten - Hessen gespalten
13. August: Teil 4: 1976 -1986
Ökomanie und Friedensbewegung - Hessen im gesellschaftlichen Wandel
20. August: Teil 5: 1986-1996
Leere Kassen und die Öffnung der Grenze - Hessen und die deutsche Einheit
27. August: Teil 6: 1996-2006 New Economy und Terror - Hessen zu Beginn eines neuen Jahrtausends
Phaic Tan
Der 2. Streich von Cilauro, Gleisner und Sitch.
Am 26.Februar 18.05h in hr2
Sie suchen immer noch Molwanien in Ihrem Atlas? Lassen Sie’s gut sein, blättern Sie lieber weiter zu „P“. Denn da finden Sie sicher auch nicht Phaic Tan, ein feuchtes, heißes und üppiges Land, von Kennern auch „Achselhöhle Südostasiens“ genannt. Phaic Tan, Land der Widersprüche, in dem Verkehrspolizisten Masken tragen, Chirurgen hingegen selten, in dem Umweltverschmutzung unter Strafe steht, nicht jedoch das Foltern von säumigen Mietern, das Land mit der höchsten Prozentzahl von Amputierten, aber mit der geringsten Medaillenausbeute bei den Paralympics. Dieses Hörbuch von den Autoren von „Molwanien“ ist ein unschätzbarer Begleiter für Rucksacktouristen, Luxusreisende und Regierungsunterhändler bei der Reise durch ein bizarres Land, das als Ursprung der Hosenpresse und der Blähsucht gilt.
• Ein vollkommen verrücktes Werk von drei Australiern: ein Muss für alle Freunde des schwarzen Humors – Augen zu, reinhören, ablachen!
• „Phaic Tan“ ist im Ursprungsland Australien noch weit erfolgreicher als „Molwanien“.
Stern
Molwanien
Land des schadhaften Lächelns
Hessischer Rundfunk Random House Audio 2005

Szlengro. Willkommen.
Zwar ist die Republik Molwanien eines der kleinsten Länder Europas, doch hat sie dem anspruchsvollen Touristen viel zu bieten. Großartige Landschaften, prachtvolle neoklassizistische Architektur und Jahrhunderte der Hingabe an Kunst und Kultur sind zugegebenermaßen Mangelware. Der furchtlose Reisende wird in diesem einzig-artigen, küstenfreien Nationalstaat jedoch viel zu seiner Erbauung finden – von der Hauptstadt Lutenblag mit ihrem bezaubernden Netz gasgetriebener Straßenbahnen bis zu den dichtbewaldeten Postenwalj-Bergen im Süden, wo Besucher ein Glas hausgebrannten zeerstum (Knoblauchschnaps) genießen können, während sie zusehen, wie ein in herkömmliche Tracht gekleideter Bauer sein Maultier prügelt.
Man bedenke auch, dass die syntaktische Struktur der molwanischen Schriftsprache recht kompliziert sein kann, wobei Schriftsteller häufig die dreifache Negation verwenden. - [Molwanisches Original.] Ist es nicht so, dass das Wasser nicht nicht untrinkbar ist?
Die Lust am Reisen: Venedig
Stadt im Schlamm. Das Wasser herrscht eigentlich da, wo die ersten Venezianer im 5 Jahrhundert vor den Wirren der Völkerwanderung Zuflucht suchten. Draußen in der Lagune, wo Holzpfähle tief in den Schlamm gerammt wurden, Provisorium bestenfalls, kein Ort zum bleiben, wurde die Stadt gebaut. Sie sind geblieben, Venedig wurde Dogenrepublik, Herrscherin über das östliche Mittelmeer, Heimathafen der großen Entdecker. "La Serenissima", Ort des großen Karnevals, Heimat Casanovas, architektonischen und musikalischen Glanzes in der abgebrannten und wieder errichteten Oper "La Fenice", Wirkungsstätte Vivaldis, Verdis, Rossinis.
Venedig war vielleicht erstes touristisches Zentrum der Welt;- und ist es geblieben.

Die Lust am Reisen:Dresden
Ankommen in Dresden. Hinab ins Elbtal, von rauen Höhen in die goßzügigen Niederungen, ins Elbflorenz, in di verschwenderische Barockstadt, umgeben von Platte, Gartenstadt, Glas und Beton. Auch die Stadt Erich Kästners, Carl Maria von Webers, Richard Wagners. Keine Spur davon während der Anfahrt. Der Wagen rumpelt übers Pflaster, Plattenbau und Gründerzeithäuser wechseln sich ab, rechts der bröckelnde Schriftzug auf einem umzäunten Flachbau: "Sächsiche Sandstein GmbH", links in gebührlichem Abstand der Fluß, die Achse der Stadt. Auf dem Weg vom Westen über die Magdeburger Straße das erstaunliche "Yenidzee", ein eigenwilliger orientalischer Bau, ein Minarett als Schornstein
Mississippi
Gigantischer Krach im French Quarter, Jazz, Soul, Country, alles auf einmal. Die Stadt holt nach, was oben im Norden versäumt wurde, holt alles nach. Düfte, "Po´Boy"-Sandwich, Gumbo, "Jambalaya". Gestank. Striptease und Voodooschuppen, Old Al–Fratze. Schäbige Türsteher: `Wanna take a look? It´s free, all free!´
Alles kostet, nichts ist umsonst. Gewitzter Junge bückt sich, putzt mit abgehackten Bürstenstrichen die Schuhe, nimmt den Zehner, denkt nicht ans wechseln.
Der Mississippi hat sich weit hineingeschoben in den Golf von Mexiko. Der Fluß hadert nach fast 4000 Kilometern mit seinem Ende. Draußen auf dem Golf und dem Atlantik wird immer wieder ein gelbbraunes Band auf dem Wasser sichtbar. Und einmal trug der Golfstrom das Wasser bis in den Ärmelkanal; Süßwasser, Mississippiwasser.

Der Gateway Arch, St. Louis, das Tor zum Westen am Mississippi
Abbitte, Ian Mc Ewan 2003

Die Kriege der Präsidenten- der lange Weg von Pearl Harbor nach Bagdad
"It is rather for us to be here dedicated to the great task remaining before us- that from these honored dead we take increased devotion to that cause for which they gave the last full measure of devotion- that we here highly resolve that these dead shall not have died in vain, that this nation under God shall have a new birth of freedom, and that government of the people, by the people, for the people shall not perish from the earth."

Die Wiedergeburt der Freiheit, der Regierung des Volks, durch das Volk und für das Volk. Eine Auferstehung aus der Asche von Gettysburg, Pennsylvania, beschworen, gefordert und erhofft von Abraham Lincoln. Eine poetische, pathetische, biblische Rede, gehalten am Rand eines der größten Schlachtfelder des amerikanischen Bürgerkriegs. Der Präsident beschwört den Kern der Politik seines Landes seit Thomas Jefferson, seit den Pilgervätern des 17. Jahrhunderts. Amerika ist ein Imperium der Freiheit. Amerika ist die "City upon a hill", die Stadt auf dem Hügel. John Winthrops Programm von 1630 ist mehr als poetische Metapher und Hoffnung auf das neue Jerusalem in der Neuen Welt, es ist auch politische Richtschnur: Die amerikanischen Präsidenten tragen eine besondere Verantwortung für die Kriege der Nation, entscheiden als "Commander in chief", als Oberbefehlshaber der Streitkräfte über Neutralität oder Waffengang. Amerikanische Kriege sind Kriege amerikanischer Präsidenten. Für die Freiheit wird gestritten und Krieg geführt.Die Gettysburg Address: Seit November 1863 Modell und Maßstab für Kriegsreden amerikanischer Präsidenten. Zweiter Weltkrieg, Korea, Vietnam, Grenada, Afghanistan, Irak. Drohung, Kriegsausbruch, Kapitulation, Sieg. Gettysburg schwingt mit.
Tod und Erinnerung bleiben, die Konflikte ändern im 20. und 21 Jahrhundert ihr Gesicht.
Jähn-Merbold - Die Geschichte der deutschen Raumfahrer
Jähn und Merbold lernten sich 1984 kennen. In Österreich, auf neutralem Terrain, wurde der 90. Geburtstag des Luftfahrtpioniers Hermann Oberth gefeiert. Schon in den 20er Jahren hatte Oberth mit seinen Werken "Die Rakete zu den Planetenräumen" und "Die Wege zur Raumschifffahrt" die Grundlagen für fast jedes Raumfahrtkonzept gelegt, das bis heute durchgeführt wurde.
Mit Sigmund Jähn und Ulf Merbold auf der Frankfurter Buchmesse 2004
Vertreter aller raumfahrenden Nationen kamen zusammen, auch aus der Bundesrepublik und der DDR, auch Ulf Merbold und Sigmund Jähn. Zwei Männer mit unterschiedlichen Hintergründen, zwei Männer, die eine Gemeinsamkeit hatten, die fast niemand mit ihnen Teilen konnte: Den Flug in den Weltraum. Ulf Merbold: "Und ich wusste auch, russische Sprache ist ganz wichtig und sicherheitsrelevant, denn in der Stunde der Not kann man ja nicht mit dem Wörterbuch arbeiten wollen. Insofern war mir schon klar, dass wer immer das macht, nun nicht –um es einmal salopp zu sagen – eine richtige Niete oder Pfeife sein kann. Deshalb habe ich mich, als wir in Österreich plötzlich die Chance bekamen uns zu begegnen auch darauf gefreut, aber das für mich sehr Erstaunliche heute noch war – obgleich wir auf ganz verschiedenem Wege in den Weltraum gelangt waren – stellte sich schon mehr oder weniger beim ersten oder zweiten Bier heraus, dass wir zu ganz ähnlichen Einsichten gelangt waren und insofern wurde die Kommunikation mit Sigmund für mich immer interessanter, gerade weil er Fliegerkosmonaut war und dieses ganze System der DDR in irgendeiner Weise auch verkörperte. So dass wir am Ende ganz ähnliche Schlussfolgerungen gezogen hatten, dass man in nur neunzig Minuten den Erdball umrunden kann."
Einhard ein mittelalterliches Leben
Wie werden Orte, die weiße Flecken auf der Landkarte sind, zu einem Publikumsmagneten, einem Anziehungspunkt, einem neuen Zentrum? Mit Hilfe eindrucksvoller Architektur vielleicht, durch außergewöhnliche Einkaufsmöglichkeiten oder Attraktionen, die es sonst nirgends gibt?
Heute dürfte diese Frage jedenfalls ganz anders ausfallen als vor annähernd 1200 Jahren.
Damals lag der Fall klar auf der Hand: Ein solcher Ort braucht ein Kloster, und ein Kloster braucht wundertätige Prominenz, genauer: Reliquien, das Haar eines frühen Christen, ein Döschen mit dem verbliebenen Staub eines Märtyrers, den Schädel eines hingerichteten Glaubensbruders aus Rom.
Der Ort heißt Seligenstadt, damals Mulinheim, der Klostergründer war Einhard. Ein Mann, der Reliquien in Rom kaufen wollte und sie am Ende bei Nacht und Nebel entwenden ließ.
Die 20er Jahre des 9. Jahrhunderts, eine Zeit des Umbruchs, des Niedergangs, der neuen, aufstrebenden Kräfte. Karl der Große, der Kriegsherr, der Einiger des Frankenreichs war tot, sein Sohn Ludwig, dem die Geschichtsschreiber den Beinamen "der Fromme" gegeben haben, konnte das Reich nicht zusammenhalten.

Erstausgabe der Vita Karoli, Köln 1521 mit Karl dem Großen und Karl V.
Einer seiner reich mit Lehen ausgezeichneten Diener war Einhard. Um 770 wurde er im ostfränkischen Maingau geboren. Einhard, Biograph Karls des Großen, Berater des Frankenkönigs, angeblich auch sein Baumeister, war im Kloster Fulda erzogen worden und kam als junger Mann an den Hof Karls des Großen. Bei Hof machte er eine steile Karriere.
In den zwanziger Jahren des 8. Jahrhunderts dachte Einhard, in seiner Zeit schon ein alter Mann, immer häufiger daran, seinen einflussreichen Posten an Ludwigs Hof aufzugeben, eigene Wege zu beschreiten, seine Klöster zu ordnen und eine eigene Bruderschaft zu gründen. Für das ehrgeizige Projekt kam vor allem seine Heimat am Main in Frage.
Aber ein neues Kloster ohne Reliquien, ohne wundertätigen Anziehungspunkt, das war undenkbar, sollte die Neugründung gebührende Beachtung finden. Heilige oder auch nur ihre geringsten Überreste, waren Gold wert. Je prominenter die Reliquie, desto mächtiger ihr Besitzer, desto wundervoller der Ort ihrer Ruhestätte.
Einhard schrieb an seiner "Vita Karoli Magni", seinem Karlsleben, in dem er die große Vergangenheit beschwor. Für den Frankfurter Mittelalterforscher Johannes Fried eine durchaus politische Schrift, ein Appell: Einhard hält seiner eigenen politischen Gegenwart die Vorbildlichkeit der Politik Karls des Großen, die das gewaltige Reich zusammengehalten hat, als Spiegel vor.
Ludwig war nicht Karl. Mit einem starken geistigen und geistlichen Zentrum wollte Einhard dem Verfall des Karlsreichs entgegen treten. Er wusste, seit er im Jahr 806 nach Rom gereist war, dass es dort noch Heiligengebeine in Hülle und Fülle gab, das mit ihnen ein reger Handel betrieben wurde. Also machte sich Ratleik, Kanzler Ludwigs des Frommen und rechte Hand Einhards auf die Suche nach geeigneten Überresten.
Nachdem der römischer Führer den Franken immer wieder hinhielt, beschloss er, auf eigene Faust zu handeln. Eine gefährliche Angelegenheit, die Einhard in seiner Translatio Marcellinus et Petrus beschreibt.
"Dann, nach drei Tagen, machten sie sich nachts und ohne Begleitung eines römischen Bürgers auf den Weg. In der Kirche von St. Tiburtus angekommen, versuchten sie zunächst, den Altar zu öffnen, unter dem sich der heilige Körper befinden sollte. Aber das Monument bestand aus extrem hartem Marmor und widerstand ohne weiteres den bloßen Händen, die es öffnen wollten.
Deshalb verließen sie das Grab dieses Märtyrers und stiegen hinab zum Grab der gesegneten Marcellinus und Petrus. Nachdem sie unseren Herrn Jesus Christus um Hilfe gebeten und die heiligen Märtyrer angebetet hatten, gelang es ihnen, die Platte auf der Grabstätte zu entfernen.
Als die Platte angehoben war, sahen sie den hochheiligen Körper des St. Marcellinus im oberen Teil des Grabmals und ein marmornes Tablett in der Nähe seines Kopfes mit einer Inschrift, die verdeutlichte, dass hier die Gebeine des Märtyrers lagen."
Handeln Ratleik und seine Begleiter auf Einhards Geheiß oder auf eigene Faust? Die Reliquien sollten ursprünglich gekauft, nicht entwendet werden. Der Krimi im Spätsommer des Jahres 827 widerspricht dem Recht: Reliquiendiebe sind von der Todesstrafe bedroht. Einhard hat Ratleik nicht mit dem Auftrag nach Rom geschickt, die beiden Heiligen Marcellinus und Petrus zu holen, der Auftraggeber denkt an Partikel, an Stückchen von Gebeinreliquien mehrerer Heiliger, weniger an die kompletten Körper zweier berühmter Märtyrer des frühen Christentums.
Trotzdem: Das Unternehmen gelingt: Ratleik und die beiden Heiligen verlassen unbehelligt die ewige Stadt, bewältigen den langen Weg über die Alpen, an den Rhein, nach Michelstadt und schließlich nach Seligenstadt. Mit oder ohne Wissen des Auftraggebers. Einhard hat keine Einwände gegen die teure Fracht, die Ratleik aus Rom mitbringt.
Hermann Schefers. Leiter des Museumszentrums in Lorsch, ist fest davon überzeugt, dass Einhard in der Überführung der Heiligengebeine nicht weniger als
die Erfüllung des Willens Gottes und der Heiligen selbst sieht. Nicht legal, aber legitim und geboten. Die Unverschämtheit, der Gebeinklau in Rom wird polisch und geistlich zurechtgebogen: Wunder ereignen sich auf dem Weg der Heiligen nach Seligenstadt. Die Entwendung war vielleicht nicht legal, aber sie war gewollt von den Heiligen und von Gott. . In Einhards Translatio sprechen die Gebeine der Heiligen:
"Zwölf Tage lang verging keine Nacht, in der nicht einem, zwei oder gar drei unserer Begleiter in Träumen eröffnet wurde, dass die Körper der Heiligen von diesem Platz an einen anderen transferiert werden sollten.
Der andere Platz, das ist eben Seligenstadt, ein Ort am Wasser, leichter zu erreichen als Einhards Lehen Michelstadt im Odenwald, weiter entfernt vom Machtzentrum Lorsch und seinen eifersüchtigen Blicken auf die wertvollen Gebeine.
Die Überführung der Heiligen; in Einhards Schrift ein spiritueller Vorgang, der nichts mit Politik, mit Machtverhältnissen und eigenen Interessen zu tun hat. Und schon gar nichts mit dem dreisten Gebein- Klau in Rom.
Ein Wunder folgt dem andern auf dem Weg der Heiligen vom Rhein über Michelstadt im Odenwald nach Seligenstadt. Ein Beispiel:
"Als wir mit dem Transport der Relikte begannen, wurden wir von einer Gruppe armer Leute begleitet, die sich aus allen Richtungen zum Betteln eingefunden hatten. Die Menschen, die in der Gegend wohnten, waren unseren Taten gegenüber völlig ignorant.
Der Himmel hing voller dunkler Wolken, aus denen es sehr schnell heftig regnen konnte; es sei denn, eine göttliche Kraft verhindere es. Tatsächlich hatte es in der vorangegangenen Nacht so stark geregnet, daß es fast unmöglich erschien, unsere Reise an diesem Tag zu beginnen. Aber dieser Zweifel entsprang unserem schwachen Glauben, denn die göttliche Gnade bescherte uns aufgrund der Verdienste der Heiligen etwas anderes. (...) Wir fanden wenig Schlamm, und die Ströme, die normalerweise nach starkem Regen anschwellen, waren kaum gestiegen.
Als wir den Wald verließen und uns dem nächsten Dorf näherten, wurden wir von einer Menschenmenge begrüßt, die Gott lobte.
Diese Menschen begleiteten uns und boten sich an, mit und meiner Gruppe beim Tragen der heiligen Last behilflich zu sein. Und sie beteiligten sich beim Singen heiliger Preisungen."
Die Schamlosigkeit Einhards und Ratleiks rächten sich:
Die Hoffnungen des Abtes, mit Hilfe der Märtyrer in Seligenstadt ein geistliches Zentrum etablieren zu können, scheiterten.
830 empörten sich die Söhne Ludwigs gegen den Vater. Die neue Erbfolge führte geradewegs in den Familienkrieg.
Auf dem "Lügenfeld" bei Colmar desertierten Ludwigs Truppen in Scharen. Der Kaiser wurde festgenommen, abgesetzt und auf Drängen seines Sohnes Lothar wieder eingesetzt. Der glück- und ruhmlose Herrscher hatte ausgespielt. Und auch die Ära Einhard ging zu Ende. Im Frühjahr 836 starb seine Frau Imma, vier Jahre später endete das Leben des Abtes. Sein Kloster, das niemals den erwünschten Ruhm errang, beherbergt in der Seligenstädter Einhardsbasilika bis heute die Gebeine der heiligen Marcellinus und Petrus, die vor annähernd 1200 Jahren aus Rom entwendet und an den Main gebracht wurden.
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