Frankfurt innen-außen

Hörspiel des Monats März 2009

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste
benennt zum
Hörspiel des Monats März 2009
Frankfurt innen – außen
von Andreas Horchler
Produktion: Hessischer Rundfunk

Begründung der Jury:
Wie klingt Frankfurt? Der Frankfurter Hörfunkjournalist und Musiker Andreas Horchler hat den Versuch eines Klang-Porträts dieser widersprüchlichen und vielgestaltigen Stadt gewagt. Kindergeschrei, Martinshörner und Straßenlärm hat er gesampelt mit elektronischen Klängen, Durchsagen aus der Frankfurter U-Bahn, Fan-Gesängen im Stadion und O-Tönen berühmter Frankfurter wie von Oberbürgermeisterin Petra Roth oder Marcel Reich-Ranicki. Entstanden ist die einzigartige Symphonie einer Großstadt, deren Bewohner aus ihrer manchmal nicht einfachen Beziehung zu der Stadt keinen Hehl machen: „Ich hab Frankfurt so gern, wie man einen sehr hässlichen Hund gern hat“, sagt eine Frau. Möglicherweise trägt Horchlers Sound-Porträt in seiner Vielgestaltigkeit dazu bei, einen Wunsch der Oberbürgermeisterin zu erfüllen, den der Autor ebenfalls verarbeitet hat: „Legen Sie vielleicht auch ein bisschen die Animosität vor dem Namen Frankfurt ab.“

hr2 kultur, Ursendung 14.3.2009, 23.05-0.00 Uhr (53’38 Minuten)

Internationaler Medienpreis Frankfurt 2010.

Wie klingt Frankfurt?
Besondere Würdigung erfuhr im Rahmen der feierlichen Preisverleihung der Hörfunkjournalist Andreas Horchler für sein Hörspiel „Frankfurt Innen-Außen“: Eine Klangcollage, die allein mit in Frankfurt aufgenommenen Geräuschen die vielfältigen Lebenswelten in der Stadt zu Gehör bringt, wie Martin Leutke, Leiter des ZDF-Landesstudio Hessen, erläuterte. „Andreas Horchler hat die Klänge gekonnt choreographiert, das Normale nicht zur Ereignislosigkeit werden lassen.“ Gerade in einer Medienwelt, in der meist möglichst viele Informationen in kurzer Zeit dargeboten werden müssten, so führte Leutke aus, sei Frankfurt Innen-Außen eine Wohltat, denn es verzaubere den Zuhörer mit dem Klang des Alltäglichen.



Die Preisträger von links nach rechts:
Andreas Horchler , Michaela Böhm , Karin Ceballos Betancur, Stephan Morgenstern, Broka Herrmann

Hessen erinnern Sommer 2006

Nassauische Neue Presse  vom 22.07.2006

Von Baracken und Skandaltheater

Sechzig Jahre ist unser Bundesland nun alt. Gefeiert wurde der runde Geburtstag des Hessenlandes bereits im vergangenen Oktober. Auch viele Frankfurter erinnerten sich bei dieser Gelegenheit an die Zeit nach dem Krieg und den Aufbau demokratischer Strukturen zurück. Die Autoren Karin Böbernick, Gabi Schwall und Andreas Horchler haben für den Hessischen Rundfunk aus den Rückblicken vieler Hessen eine Dokumentation zusammengestellt, die von morgen an bis zum 27. August auf HR 2 gesendet wird. Die Reise in die Vergangenheit beginnt im September 1945, als die US-Militärregierung das Land „Groß-Hessen“ proklamiert. Der Frankfurter Bankier Friedrich von Metzler erzählt von Bankschaltern in Baracken, der ehemalige Frankfurter Kulturdezernent Prof. Hilmar Hoffmann steuert Geschichten über Skandaltheater bei. Hans Eichel , Hessens früherer Ministerpräsident, nimmt die Hörer mit auf seine persönliche Reise von Kassel nach Berlin und zurück. Zu Wort kommen auch der amtierende Ministerpräsident Roland Koch, Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth und der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, Daniel Cohn-Bendit. Auch zahlreiche HR-Hörer erinnern sich an sechs Jahrzehnte Hessen, erzählen vom Schwarzmarkt der Nachkriegsjahre, von Protesten gegen die Startbahn oder davon, wie sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts um Arbeit bangen.

Die Kriege der Präsidenten


„Die Kriege der Präsidenten“ liefert einen umfassenden Überblick über die Konflikte der USA in den vergangenen 60 Jahren. Beginnend mit Pearl Harbor, zeichnet Autor Andreas Horchler die Geschichte amerikanischer Kriege bis zum offiziellen Ende des Golfkriegs 2003 nach. Doch das Feature ist nicht nur eine chronologische Aneinanderreihung historischer Ereignisse.

Ausschnitte aus Kriegsreden der Präsidenten lassen die Vergangenheit lebendig werden. Auffallendes und immer wiederkehrendes Element: Der Begriff der Freiheit, als Rechtfertigung für kriegerische Interventionen der USA in der ganzen Welt.
In „Die Kriege der Präsidenten“ kommen aber neben Bush, Truman oder Kennedy auch ihre Berater, Gegner und Wissenschaftler zu Wort. Sie runden das geschichtliche Gesamtbild ab. Durch Detonationsgeräusche, Demonstrationen oder tiefliegende Militärjets fühlt man sich akustisch in die Zeit von Korea- und Vietnamkrieg zurück versetzt. Dem Feature gelingt es, Bilder im Kopf entstehen und wirken zu lassen.

Da für den Autor amerikanische Kriege immer auch die Kriege amerikanischer Präsidenten sind, macht die Unterteilung des Features in einzelne Amtszeiten durchaus Sinn.
Nach über zwei Stunden Hörgenuss – Sprecher ist Siemen Rühaak - wird einem wieder bewusst, wie sehr die USA und vor allem ihre Präsidenten die letzten 60 Jahre geprägt haben. „Die Kriege der Präsidenten“ liefert einem auf beeindruckende Weise die historischen Fakten von 60 Jahren Weltgeschichte, die persönliche Einordnung überlässt das Feature aber dem Hörer.

Ulrich Hauck, Saarländischer Rundfunk 10.02.2007


Die USA - eine Bedrohung für den Weltfrieden oder doch dessen Bewahrer? Kein anderes Land hat im zwanzigsten Jahrhundert derart viele Militäraktionen gestartet wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Andreas Horchler hätte schon um die Jahrhundertwende beginnen können, setzt seine Recherchen jedoch mit der Ära Franklin D. Roosevelts und den Militärschlag auf Pearl Habour ein. Waren die Amerikaner im zweiten Weltkrieg bis dato neutral, begann durch den Angriff der Japaner eine schicksalhafte Verkettung. Die Amerikaner traten in den Krieg ein, der kalte Krieg sollte kurz nach Kriegsende und Harry Trumans Amtsantritt folgen, der seine Soldaten später in den Korea-Krieg schicken sollte. Auch Eisenhower, Kennedy, Johnson, Nixon und all die anderen Nachfolger sollten nicht mehr ohne Konflikte auskommen.
Horchler beleuchtet die inneren und äußeren Hintergründe der Konflikte ebenso, wie der von den Administrationen einkalkulierte menschliche Preis. Zu hören sind die Originalstimmen der Präsidenten, ihrer Berater und Minister, ihrer Feinde und ihrer Gegner - den weltweiten Friedensbewegungen. Horchler spinnt seine Fäden bis zur Bush-Administration und ihrem "völkerrechtswidrigen Eindringen" in den Irak. Ein Konflikt, von Bush zwar als beendet erklärt, der sich noch lange hinziehen kann. (os)

(tonspion.de 06.12.03)
Redaktionswertung:
Hörerwertung:
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www.tonspion.de/mp3hoerbuch.php?id=25

WDR5 im April 2004

"Die Kriege der Präsidenten" Service Hörbuch, Neugier genügt vom 22. April 2004

Andreas Horchler/Dorothee Meyer-Kahrweg (Redaktion)

"Die Kriege der Präsidenten" Gesprochen von Siemen Rühaak

2 CDs, Gesamtlaufzeit ca. 120 Minuten

LC 00173/ ISBN 3-8291-1344-7

www.dg-literatur.de

Gehörte Chronologie das ist das Hörbuch "Die Kriege der Präsidenten" nicht nur.

Der Überblick der kriegerischen Auseinandersetzungen der USA seit dem 2. Weltkrieg besticht nicht nur durch seine Sachinformationen. Die Reden der Präsidenten sind das tragende Element. Warum haben Truman, Kennedy, Clinton oder Bush so agiert, was sagen ihre Reden wirklich aus, was sagen ihre Berater, ihre Gegner. Ist amerikanische Politik wirklich so plump und platt, wie wir das häufig glauben? Durch die akustische Kulisse, wie Nachrichten, Flugzeuge, Detonationen, Demonstrationen fühlt man sich näher am Geschehen dran und teilweise auch mittendrin.

Andreas Horchler hat sich in diesem Hörstück der jüngeren Geschichte amerikanischer Präsidenten und ihrer Kriege angenommen.
Die USA - eine Bedrohung für den Weltfrieden oder doch dessen Bewahrer? Kein anderes Land hat im zwanzigsten Jahrhundert derart viele Militäraktionen gestartet wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Andreas Horchler hätte schon um die Jahrhundertwende beginnen können, setzt seine Recherchen jedoch mit der Ära Franklin D. Roosevelts und den Militärschlag auf Pearl Habour ein. Waren die Amerikaner im zweiten Weltkrieg bis dato neutral, begann durch den Angriff der Japaner eine schicksalhafte Verkettung. Die Amerikaner traten in den Krieg ein, der kalte Krieg sollte kurz nach Kriegsende und Harry Trumans Amtsantritt folgen, der seine Soldaten später in den Korea-Krieg schicken sollte. Auch Eisenhower, Kennedy, Johnson, Nixon und all die anderen Nachfolger sollten nicht mehr ohne Konflikte auskommen.
Horchler beleuchtet die inneren und äußeren Hintergründe der Konflikte ebenso, wie der von den Administrationen einkalkulierte menschliche Preis. Zu hören sind die Originalstimmen der Präsidenten, ihrer Berater und Minister, ihrer Feinde und ihrer Gegner - den weltweiten Friedensbewegungen. Horchler spinnt seine Fäden bis zur Bush-Administration und ihrem "völkerrechtswidrigen Eindringen" in den Irak. Ein Konflikt, von Bush zwar als beendet erklärt, der sich noch lange hinziehen kann. (os)

Autorin: Irmtraud Muller


Sich Zeit lassen
"Die Flüsse der Welt", Idee und Redaktion: Andreas Horchler, Christoph Buggert (HR2, 18., 19., 20.5., 10.05-13.00, 15.05-18.00, 20.05-23.00 Uhr)

epd Hier muss es gewesen sein. Damals, "genau an der Stelle", hat Eva Demski in einer Sandmulde erste Schwimmversuche gemacht.
Hier am Ufer der Donau lernte sie in der Nachkriegszeit als Kind den Jazz der frühen Jahre kennen, hörte "Negermusik" im Kreis von Sonnenhungrigen, "die sich freuten, dass sie überlebt hatten". Doch auch wenn sie heute bei größerer Übersicht den "tausendfach von der Geschichte umgepflügten Boden" rundum im Blick hat, kann sie selbst nur vom heimatlichen Regensburg aus den Strom erkunden.
Demskis dreistündige Sendung "Die Donau" unterscheidet sich von den acht weiteren "Flüssen der Welt", dem großangelegten Pfingstprogramm im HR-Radio: Die Autorin markiert nachdrücklich ihre jeweiligen Perspektiven und eigenen Positionen. Prägnant peilt sie Erinnerungs- und Beobachtungspunkte an und umreißt zudem gleich anfangs geographisch und geschichtlich weite Horizonte vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer, vom mittelalterlichen Brückenbau bis zu den letzten Schritten von KZ-Häftlingen über Regensburgs Prachtbrücke, von der Römerzeit bis zum jüngsten rumänischen Umschwung.
Demski zersplittert sich nicht in akustischen Dekors wie etwa Donaueschinger Klanginstallationen nahe der Donauquelle. Lieber dokumentiert sie gelegentlich authentische Musik der jeweiligen Region von geistlichen Gesängen bis zu balkanischen Volksweisen. Nur manchmal, wenn das Material überbordet, etwa bei Wiener Prominenz einst und jetzt, wird die Auswahl fragwürdig.




Und wenn Siegfried Unseld, passionierter Schwimmer aus Ulm, auch bei der Deutung des heraklitischen "Alles fließt" ins Schwimmen gerät, trübt sich der Gedankenfluss ein wenig. Doch alles fließt bald weiter, auf weite Strecken übrigens belebt von der Stimme der Autorin, die auch selbst Regie führt. Meistens zieht "Die Donau" den Hörer suggestiv in ihren Sog: eine Radio-Reise im lebendigen Wechsel von Nahaufnahmen und Totalen, Geschichte und Gegenwart.
"Für Themen, die Zeit brauchen, muss das Radio sich Zeit lassen", ist die Maxime Christoph Buggerts, der seit Jahren gegen den Trend zu Informations-Spots themenorientierte Radio-Tage mit langem Atem ins Programm bringt. Zuletzt erschloss Helmut Kopetzky dabei in einer sechzehnstündigen Dokumentation die Bandbreite der großen Kleinstadt Fulda. Buggert, 26 Jahre lang Hörspielchef des HR, geht Ende Juni in den Ruhestand.
Diesmal war der ideale Sesseltourist mit neun verschiedenen Autoren siebenundzwanzig Stunden rund um die Uhr rund um die Welt unterwegs, insgesamt drei Tage und Abende lang. Mancher Hörer genoss es auch, gelegentlich als akustischer Kurzurlauber in exotische Klangquellen, Erzählflüsse und Bewusstseinsströme, in Wasser- und Lebensläufe einzutauchen.
Zur Hör-Reise lockten noch, außer der Donau: "Der Mississippi" von Andreas Horchler, "Die Wolga" von Martin Ebbing, "Der Kongo" von Ludger Schadomsky, "Der Amazonas" von Helmut Kopetzky, "Der Yangtze" von Stephen Erickson, "Der Nil" von Florian Schwinn, "Der Ganges" von Kai Adler und "Der Rhein" von Alfred Behrens: Wenn auch mit unterschiedlich souveränem Zugriff, war jede dieser Sendungen darauf aus, breitgestreut historische Informationen, frische Einblicke und Originaltöne zu bieten.

Florian Schwinn erfüllt Erwartungen des Hörers, wenn er an markanten Stationen des Nils Kolonial- und Kulturgeschichte mit aktuellen Interviews verschränkt. Lebensader, Verkehrsweg und Touristenattraktion ist der Strom, von dem aus sich nicht nur Wirtschaftsstrukturen und Sehenswürdigkeiten, sondern auch das Doppelgesicht des Islam in Festen und Terror oder der Zuspruch zu christlichen Gemeinden und nubischen Sonderwegen erschließen. Unerhörte Überraschungen bieten Schwinns Tondokumente von fremden Vogelstimmen und dem rauhen Diskurs heiser schreiender Nilpferde.
Mehrere Autoren reihen ihre Recherchen am roten Faden von Spuren und Texten prominenter Vorgänger auf. Horchler, gemeinsam mit Buggert Initiator und Redakteur des Flussprogramms, kann sich bei eigenen dynamischen Klangexpeditionen auf Jazzlegenden und auf den ehemaligen Lotsen Mark Twain samt dessen "Leben auf dem Mississippi" verlassen. Schadomsky stürzt sich vom Kongo aus in afrikanische Risiken und Reize nicht ohne Joseph Conrad, dessen "Herz der Finsternis" ihn wie den Hörer unwiderstehlich ins Innere Afrikas zieht.
Kopetzky, längst ausgewiesener Spezialist akustischer Bilderbögen, beruft sich bei seinen lebensprallen Ortsterminen am Amazonas noch einmal auf einen Funkpionier: auf Ernst Schnabels einschlägige melancholische Feldforschung "Unter der Messingstadt" und auf dessen bahnbrechende Originaltonaufnahmen der ersten aufs Radio zugeschnittenen Weltreise von 1951, die als - übrigens auch dreistündiges - "Interview mit einem Stern" heute noch hörenswert sind.
Die drei Radiotage, sagt Christoph Buggert im Gespräch, seien sein "Abschiedsgeschenk". So weit gespannt und aufwendig diese Gabe ist, so wenig trifft die Bezeichnung Abschiedsgeschenk ganz, klingt sie doch zu einmalig und endgültig.
Im Falle der "Flüsse der Welt" erwarten wir hingegen Wiederholung und Wiederhören bei günstigen Sendeterminen. Auch ein Hörverlag sollte sich von diesen akustischen Abenteuerreisen mitreißen lassen.
Eva-Maria Lenz

epd medien, Nr. 39-40/02


Abbitte:

Es ist soweit: endlich gibt es den wunderbaren Roman des Schotten Ian McEwan "Abbitte" auch als Hörbuch zu genießen. Und das es sich wirklich um einen Genuss handelt, dafür sorgt die Schauspielerin Barbara Auer.
Sehr sorgsam und dezent setzt sie die nuancenreiche Modulation ihrer Stimme ein, um die feinen Schwingungen zu Gehör zu bringen, die den heißen Sommer 1938 in eine flirrende Hitze verwandeln.
Die dreizehnjährige Briony ist ruhelos im Haus ihrer Eltern unterwegs. Am liebsten würde sie mit den beiden Cousins und ihrer Cousine, die zu Besuch sind, ihr neues Theaterstück aufführen. Aber so richtig klappen wollen die Proben nicht. Da beobachtet sie beim Blick aus dem Fenster, wie ihre ältere Schwester Cecilia halb nackt in den Brunnen im Hof steigt, während der junge Gärtner Robbi, der seine Semesterferien ebenfalls bei der Familie Tallis verbringt, dabei steht und sie betrachtet.



Die Leser wissen, dass alles ganz harmlos ist und Cecilia nur eine Scherbe aus dem Brunnen fischt, doch die lebhafte Fantasie Brionys dichtet den beiden sofort eine wunderbare Romanze an - den Heiratsantrag gleich eingeschlossen. Am Abend öffnet sie dazu noch unerlaubterweise einen Brief an ihre Schwester und damit nimmt das Unglück seinen Lauf.
Aus ihren heimlichen Beobachtungen der Erwachsenen zieht das Mädchen völlig falsche Schlüsse und bringt so das ganze Leben dreier Personen total in Unordnung.
In der Hörbuchfassung wurde der grandiose Roman, der mit Erzählperspektiven kunstvoll spielt und am Schluss noch eine überraschende Wendung nimmt, sehr behutsam von Andreas Horchler gekürzt.

Die Deutschen Raumfahrer und ihre Geschichte:


Dieses Hörbuch des Rundfunkjournalisten Andreas Horchler bietet ein spannendes Interview-Feature mit den Astronauten Sigmund Jähn und Ulf Merbold. Die beiden Raumfahrer waren die ersten Deutschen im All. Sigmund Jähn startete unter der wissenschaftlichen Führung der Sowjetunion im Jahre 1978 und Ulf Merbold flog 1983 mit der amerikanischen Raumfähre Columbia in den Weltraum.

Zwei Männer, zwei Geschichten. Während der Ostdeutsche Jähn in der DDR als Volksheld gefeiert wurde, reagierte der Westen vor allem mit Häme auf seinen Flug. Ulf Merbold hingegen war der erste Westdeutsche, der in den Weltraum geschossen wurde. Gleichzeitig durfte er als erster Ausländer an einer amerikanischen Space Shuttle Mission teilnehmen. Doch Allen politischen Gegensätze zum Trotz und über die innerdeutsche Grenze hinweg verband und verbindet beide seit ihrer ersten Begegnung eine tiefe Freundschaft.

Im Gespräch der beiden Raumfahrer mit Andreas Horchler kommen sämtliche Aspekte einer Weltraummission zur Sprache. So unterhält sich der Publizist mit seinen beiden Gesprächspartnern über das Gefühl des Loslassens beim Austritt aus der Erdatmosphäre und diskutiert mit ihnen sowohl über interessante technische Details als auch über die Zukunft der Raumfahrt.
Der Hörer erfährt aus erster Hand von Emotionen und Erlebnissen im Kosmos und wird mitgenommen auf eine Reise von der Erde bis ins All.



Auf zwei CDs mit insgesamt 140 Minuten Gesamtlaufzeit bekommt man einen faszinierenden Einblick in das Leben und die Erlebnisse zweier Raumfahrer, die wahrlich Schwereloses, aber sicher nichts Inhaltsloses zu berichten haben.

Von Philipp Kafsack

http://wdw.prosieben.de/wdw/AirospaceWorld/News/GewinnspielTagderRaumfahrt/1_HoerbuchGeschichteRaumfahrer/Sächsische Zeitung


Mittwoch, 20. Oktober 2004

Zwei Vogtländer im All
Die deutschen Raumfahrer Sigmund Jähn und Ulf Merbold erzählen ihre Geschichte

Rolf Floß

Noch nach Stunden hat man die beiden ruhigen Stimmen im Ohr, die sich ergänzen, freundschaftlich widersprechen und bald erneut einig sind. Gehören sie doch zu den wenigen Menschen, die den Blauen Planeten von oben gesehen hatten. Das lässt sich von unten nicht wirklich nachempfinden: wie sie hochgeschossen wurden, tagelang in einer künstlichen winzigen Welt in 300 Kilometern Höhe die Erde umkreisten. Wie sie begriffen: Der hohe blaue Himmel, von einer Wiese aus gesehen, ist nur ein Häutchen, ein hauchfeines Etwas, das vor dem Weltraum schützt.

Sie erzählen beide davon. Jener Vogtländer, der in der Heimat geblieben ist, und der andere, der sie schweren Herzens nach dem Abitur verließ, weil er nicht studieren durfte. Sigmund Jähn, 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz geboren, und Ulf Merbold, geboren 1941 in Greiz, starteten im Abstand von fünf Jahren ins All. Der spätere Generalmajor der Volksarmee war der erste deutsche Raumfahrer, der Physiker aus einem Fraunhofer Institut jener mit den meisten Flügen. Dreimal war Merbold unterwegs, einmal davon in der russischen "Mir".

Den Fall der Mauer sahen sie gemeinsam in Riad

Kennen gelernt haben sich die beiden in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre in Wien. Den Fall der Mauer sahen sie im gemeinsamen Hotelzimmer in Riad auf dem Bildschirm. Später empfahl der Westdeutsche den Ostdeutschen der Europäischen Weltraumagentur, für die sie noch heute arbeiten. Ulf Merbold als Chef der Astronautenabteilung und Sigmund Jähn als Mitarbeiter im Sternenstädtchen bei Moskau. – Die mehrstündige Produktion der Deutschen Grammophon Literatur besticht durch eine einprägsame Komposition des Erzählens der zwei Männer mit Originaltongeräuschen sowie den einordnenden Texten des Dokumentaristen Andreas Horchler. Wohltuend, dass man sich nicht in den Grabenkämpfen des Kalten Krieges verliert, obwohl die Raumfahrt entscheidend durch ihn bestimmt wurde. Die Raumfahrer denken über die Zukunft nach. Wird sich die USA wieder aus der internationalen Zusammenarbeit im Weltraum lösen? Werden die Wissenschaftler, die für die Waffentechnik arbeiten, zur Sicherung des Lebens auf diesem Planeten eingesetzt?

Andreas Horchler hat sich in diesem Hörstück der jüngeren Geschichte amerikanischer Präsidenten und ihrer Kriege angenommen.
Die USA - eine Bedrohung für den Weltfrieden oder doch dessen Bewahrer? Kein anderes Land hat im zwanzigsten Jahrhundert derart viele Militäraktionen gestartet wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Andreas Horchler hätte schon um die Jahrhundertwende beginnen können, setzt seine Recherchen jedoch mit der Ära Franklin D. Roosevelts und den Militärschlag auf Pearl Habour ein. Waren die Amerikaner im zweiten Weltkrieg bis dato neutral, begann durch den Angriff der Japaner eine schicksalhafte Verkettung. Die Amerikaner traten in den Krieg ein, der kalte Krieg sollte kurz nach Kriegsende und Harry Trumans Amtsantritt folgen, der seine Soldaten später in den Korea-Krieg schicken sollte. Auch Eisenhower, Kennedy, Johnson, Nixon und all die anderen Nachfolger sollten nicht mehr ohne Konflikte auskommen.
Horchler beleuchtet die inneren und äußeren Hintergründe der Konflikte ebenso, wie der von den Administrationen einkalkulierte menschliche Preis. Zu hören sind die Originalstimmen der Präsidenten, ihrer Berater und Minister, ihrer Feinde und ihrer Gegner - den weltweiten Friedensbewegungen. Horchler spinnt seine Fäden bis zur Bush-Administration und ihrem "völkerrechtswidrigen Eindringen" in den Irak. Ein Konflikt, von Bush zwar als beendet erklärt, der sich noch lange hinziehen kann. (os)


Molwanien

Land des schadhaften Lächelns

Kritik im Deutschlandradio 12.08.2005



http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/405685/

Reise in ein fiktives Land

Der Reiseführer "Molwanien - Land des schadhaften Lächelns" als Hörbuch

Rezensiert von Hartwig Tegeler

Das Buch "Molwanien - Land des schadhaften Lächelns" erfreut die Herzen aller Freunde des schrägen Humors. Denn Molwanien, angeblich ein kleines Land irgendwo in Osteuropa, ist eine reine Erfindung. Nun ist der fiktive Reiseführer auch als Hörbuch erschienen.

Slengrojh! - Slengrojh! Willkommen!

Ja, willkommen in Molwanien! Denn das Reich, jahrzehntelang nur Kriegshistorikern und sowjetischen Drogenschmugglern bekannt war, öffnete seine Grenzen jetzt auch dem westlichen Touristen. Wobei - es könnte sein, dass Shakespeare schon von diesem Land sprach, als er schrieb:

Verfemtes Reich, garstige Pockenhöhle, wo Elend sich vereint mit grimmem Los, und trüber Geist die Seele gar verödet. In der verruchten, wüsten Ebene.

Allerdings sind sich die Shakespeare-Forscher nicht sicher, ob der Meister aus Stratford-on-Avon tatsächlich Molwanien meinte:

Zwar ist die Republik Molwanien eines der kleinsten Länder Europas, doch hat sie dem anspruchsvollen Touristen viel zu bieten. Großartige Landschaften, prachtvolle neoklassizistische Architektur und Jahrhunderte der Hingabe an Kunst und Kultur sind zugegebenermaßen Mangelware. Der furchtlose Reisende wird in diesem einzigartigen, küstenfreien Nationalstaat jedoch viel zu seiner Erbauung finden.

Ein Beispiel, eines aus der Landwirtschaft: Die Rinder der Großen Ebene Molwaniens wurden genetisch modifiziert, so dass sie nur zwei Beine haben. Das verringert zwar den Fleischertrag, erleichtert aber das Hüten erheblich. Ein anderes Beispiel: In dem Land, dessen Hauptstadt Lutenblag heißt und in dem mit Strubl bezahlt wird, darf vegetarisches Essen nicht mehr als 25 Prozent Schweinefleisch enthalten.

Was auch immer Sie suchen mögen, in Molwanien werden Sie es wahrscheinlich finden. Sie brauchen nur ein paar Impfungen. Gegen Cholera, Typhus, Diphterie, Hepatitis A, Heptatits B, Polio, Tuberkulose, Hepatitis C, Meningitis, Malaria, Tetanus, Bengefieber und die von Zecken ausgehende Frühsommer-Emphezagilitis. Wer das Hinterland bereisen will, sollte auch eine vorsorgliche Dosis Antrhax erwägen.

Man hört also schon: "Molwanien - Land des schadhaften Lächelns" ist ein Reiseführer, der präzise bis auf den letzten U-Bahnfahrplan recherchiert wurde. Ist es da nun wirklich schwerwiegend, dass es 'Molwanien' gar nicht gibt? Nimmt diese schlicht-banale Tatsache diesem Kleinod Osteuropas wirklich irgendetwas von seiner Faszination? Doch wohl nicht wirklich!

Santo Cilauro, Tom Gleisner & Rob Sitch haben mit ihrem - nun ja - virtuellen Reiseführer für furchtlose Touristen, den Andreas Horchler in diesem Feature sozusagen in kongenialem Wahnsinn akustisch adaptiert hat, alle haben in gewisser Weise auch eine Enzyklopädie unserer Vorurteile geschaffen. Denn "Molwanien - Land des schadhaften Lächelns" vereint selbstredend all das, was wir immer schon über einen dieser neuen Staaten auf dem Gebiet des ehemals real existierenden Sozialismus zu wissen glaubten. Was also die Boulevard-Gazetten oder auch die spektakulären TV-Reportagen über Warlords, aidsverseuchte Prostituierte - beiderlei Geschlechts - oder Schlagerstars, die nicht nur wie Transvestiten aussehen, berichten, es springt uns in diesem Hörbuch auf konzentrierte Weise entgegen, und wegen dieser immensen Anhäufung laden die Klischees nach dem Lachen zunächst zu Staunen und dann zur - offen gestanden - verschämten Reflexion ein. Ist es nicht ein wenig peinlich, dass wir all das wirklich bereit wären zu glauben, dass Molwanien so wie Molwanien ist?

Ein hinreichendes Argument, das Hörbuch "Molwanien - Land des schadhaften Lächelns" guten Gewissens zu genießen. Mit Sicherheit. Man könnte aber auch sagen, dass Andreas Horchlers akustische Adaption dieses unglaublichen Reiseführers etwas schafft, was im akustischen Medium nun alles andere als einfach ist: eine Komik nämlich zu erzeugen, die überzeugend und unfassbar ist. Wenden wir uns also noch einmal einem wirklich wesentlichen Punkt der molwanischen Kultur zu: der Sprache.

Tipp: Sprache. - Es gibt vier Geschlechter. Man kann - wie einige Reisende experimentell feststellten, ein 'j' oder ein 'sse' nach Belieben nach irgendein Wort hängen. Aber weit kommt man damit nicht.

Diese Pointe über eine - wie der Reiseführer versichert - an sich unsprechbare Sprache, kann man wohl lakonisch nennen. Und das bei solch komplizierter Grammatik:

Man bedenke auch, dass die syntaktische Struktur der molwanischen Schriftsprache recht kompliziert sein kann, wobei Schriftsteller häufig die dreifache Negation verwenden. - [Molwanisches Original.] Ist es nicht so, dass das Wasser nicht nicht untrinkbar ist?

Sollten Sie übrigens weiterhin das Bedürfnis verspüren, Ihren nächsten Urlaub wie gewohnt auf Mallorca und nicht in der molwanischen Hauptstadt Lutenblag zu verbringen, lassen Sie sich ein Statement mit auf den sonntäglichen Weg geben, das die altehrwürdige BBC über diesen unschätzbaren Reiseführer vermeldete: Er - der Reiseführer - würde - nun kommt das Zitat - "unschätzbare Informationen für die vielen reisenden Ignoranten [enthalten], die dieses wunderschöne Land nicht kennen."

Mit anderen Worten: Was könnte man haben gegen ein Werk, dass die Lachmuskeln reizt und die Reisekosten mindert.

Santo Cilauro, Tom Gleisner & Rob Sitch:

"Molwanien - Land des schadhaften Lächelns"

Bearbeitung, Regie, Musik: Andreas Horchler

mit Felix von Manteuffel, Roland Heinemann u. a.
2 CDs - Laufzeit ca. 120 Minuten - Preis: 19,50 Euro
Produktion: HR - Erschienen bei: Random House Audio


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